Über Algen weiß man zwar wenig, doch sie erweisen sich in so unterschiedlichen Bereichen wie Medizin, Landwirtschaft, Ernährung oder Umweltüberwachung als wertvoll. Dem Beispiel der irischen Initiative Algaeßase folgend, baut das Projekt Seaweed Africa eine große, auf Afrika ausgerichtete Datenbank auf. Ein Werkzeug, das diesen natürlichen, auf dem von Ozeanen umgebenen Kontinent üppig sprießenden Reichtum besser zu erfassen und zu nutzen hilft.
1996 startete das auf Meeresforschung spezialisierte Martin Ryan Institute (National University of Ireland) AlgaeBase. "Es ging darum, auf dem Internet eine Datenbank über Algen einzurichten. Diese Informationen betrafen zunächst nur die Arten der britischen Inseln", erklärt Michael Guiry, einer der Wissenschaftler, die dieses Projekt in die Wege geleitet hatten. 'Doch schon bald kamen Daten über Nordosteuropa, dann über den Nordostatlantik und schließlich das Mittelmeer hinzu.' Darauf gesellten sich zu den Meerespflanzen ihre im Süßwasser lebenden Verwandten. Im Endergebnis waren es 35 000 Arten, die Algaeßase bis ins letzte Detail beschrieb, mitsamt Klassierung (Phylum, Klasse, Ordnung, Art, Familie, Gattung usw.) und Angaben zu ihrer Verbreitung. All das begleitet von Zeichnungen und Fotos sowie einem Verweis auf die wichtigsten, in angesehenen Fachzeitschriften publizierten Artikel.
Die Algen und ihre Nutzungsmöglichkeiten sind weitgehend unbekannt, dabei können sie, sorgfältig ausgewählt und verwertet, die Zukunft von Küstenbewohnern verändern. Auch wenn Irland im Vergleich zu den asiatischen Marktführern ein bescheidener Anbieter ist, haben die 45 000 Tonnen Algen, die es jährlich erntet, im Westen des Landes ein beträchtliches sozioökonomisches Gewicht. Da der afrikanische Kontinent von Ozeanen umgeben ist und die westlichen Küsten mit ihren kalten Strömungen sich für die Algenkultur eignen, lag es nahe, das Augenmerk auf die Artenvielfalt seiner Meeresflora zu richten und sie in die Inventarisierungs- und Informationsverteilungsstrukturen einzubeziehen. Dies ist das Ziel des 2001 gestarteten Projekts Seaweed Africa. Das mit rund 999 000 € dotierte, von der EU unterstützte Projekt führt sieben Partner zusammen und wird vom Martin Ryan Institute koordiniert.
"Algaeßase lieferte die Hauptdaten zu Namen und Verbreitung der Arten", sagt die irische Forscherin Roisin Nash. Die bereits bestehende Datenbank diente somit als Ausgangsbasis. "Es ging darum, sie für die Küsten Afrikas auszubauen, indem man sie durch eine Reihe von Informationen über die Okologie, die derzeitigen oder potenziellen Nutzungen, die Kultur- und Erntemethoden usw. ergänzte." jeder Partner ist beauftragt, eine bestimmte Anzahl Arten zu erfassen und die zugehörigen Angaben in die Datenbank einzugeben. Die Forscher treffen sich regelmäßig, um den Stand der Arbeiten zu erörtern und die Prioritäten festzulegen. "Diese Treffen haben die Kommunikation verbessert, insbesondere zwischen den afrikanischen Partnern, und echte Arbeitsbeziehungen zwischen ihnen entstehen lassen", sagt Robert Anderson von der Kap-Universität. Solche Treffen bieten auch immer Gelegenheit, Bilanz zu ziehen.
"Wir haben gezeigt, dass die Verwendung der Algen in der Medizin und der Pharmakologie in vollem Aufschwung ist", bemerkt John j. Bolton von der Westkap-Universität. "So wird beispielsweise ein Erzeugnis auf Algenbasis für die Behandlung der durch das HI-Virus bedingten Immunschwäche getestet." Algen werden in mehr als 200 unterschiedlichen Formen in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft, Aquakultur, Ernährung, Thalassotherapie, Umweltüberwachung, Kosmetik usw. genutzt. "Dies unterstreicht die Notwendigkeit, diese Informationen kostenlos zur Verfügung zu stellen", sagt John J. Bolton. Im April 2003 wurde eine Website mit Suchmöglichkeiten nach Land gestartet. Für diejenigen, die keinen Internet-Zugang haben, sollen in den afrikanischen Küstenstaaten entlang des Atlantiks und des Indischen Ozeans CD-Rom-Versionen der Datenbank verteilt werden.
Weitere Informationen
Seaweed Africa www.seaweedafrica.org
AlgaeBase
www.algaebase.org
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