Brennstoffspiegel, 3 / 2007
Wüssten wir es nicht besser, würden wir Kohlendioxid als das schlimmste Gift aller Zeiten verdammen.
Aus nachhaltiger Umwelt- und Energiepolitik wird im öffentlichen Meinungsbild derzeit eine Hexenjagd auf ein Lebenselixier, die paradoxe Blüten treibt.
Überall kann man es hören, lesen, sehen. Der Klimawandel bringt uns bald an den Rand des Unterganges. Schuld daran ist das vom Menschen erzeugte Kohlendioxid.
Ist das wirklich so?
Die klimatischen Verhältnisse auf der Erde ändern sich ständig und seit Anbeginn, mit und ohne Menschen. Nicht das heutige Klima ist normal, sondern die Tatsache, dass es noch nie so blieb, wie es war.
Zuständig für diesen permanenten Wandel ist ein in seiner Zusammensetzung und Wirkungsintensität komplexer und variierender Mix an Ursachen, wie z.B. die Sonnenintensität, verschiedene Spurengase in der Atmosphäre oder Meeresströmungen.
Experten berechnen auf Supercomputern unterschiedliche Modelle mit abweichenden Resultaten. In der Öffentlichkeit wird daraus für den Laien ein begriffliches Verwirrspiel erster Güteklasse. Wissenschaftler sprechen von Szenarien, die unter bestimmten Voraussetzungen eintreten könnten. Dabei ist immer klar: Ändern sich einzelne Parameter, ergibt sich eine andere Entwicklung. In den Medien werden daraus Prognosen, d.h. Vorhersagen, was uns eines Tages ereilt. So werden aus Hypothesen scheinbar unumstößliche Wahrheiten.
Absurd ist auch, dass man Leute, die den Klimawandel leugnen, Klimaskeptiker nennt und solche, die dafür kämpfen, dass sich das Klima nicht wandelt, Klimaexperten.
Letztere berufen sich aktuell auf den jüngsten Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen, dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Zwar dürfte dieser vierte fünfjährige Bericht der UN über Klimaveränderungen nicht vor Mai 2007 veröffentlicht werden, seine Vorabzusammenfassung für die politischen Entscheidungsträger schlug aber bereits große Wellen.
Ein Bericht, den keiner kennt
Fazit: Es gibt einen IPCC-Klimabericht, von dem wohl kaum einer weiß, was eigentlich drin steht, aber alle bekommen gesagt, was drin zu stehen hat: die nahende Katastrophe.
In der öffentlichen Diskussion wird das gesamte Klima-Thema allein auf ein einziges Spurengas fokussiert: das Kohlendioxid. Dieses farb- und geruchlose Gas ist mit einer Konzentration von ca. 0,04 Prozent natürlicher Bestandteil der Luft. Seine Konzentration in der Atmosphä-
re nahm offenbar immer nach einer Erwärmung zu und nicht umgekehrt. Dennoch gilt CO2 als Hauptverursacher der Klimaerwärmung.
Neben den erneuerbaren Energien profitiert davon u.a. die Erdgaswirtschaft. Obwohl Erdgas hauptsächlich aus Methan besteht - einem Spurengas, dem ebenfalls ein Treibhauseffekt nachgesagt wird, dessen Wirkung in der Atmosphäre aber rund 20 mal größer als die des CO2 sein soll. Außerdem verbessert sich durch die verstärkte Erdgas-Nutzung weder Deutschlands Ab-
hängigkeit von Energieimporten noch die langfristige Versorgungssicherheit.
Das ganze treibt paradoxe Stilblüten, wenn Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, mit der Umrüstung der acht Berliner Dienstwagen seines Ministeriums auf Erdgas ein Zeichen für den Klimaschutz setzen will. Doch damit nicht genug: Ab dem kommenden Jahr soll es in Deutschland eine CO2-Plakette für Neuwagen geben, ähnlich der Energieverbrauchs-Kenn-zeichnung an Haushaltgeräten, damit Hersteller und Kunden mehr Wert auf weniger CO2-Emissionen legen.
Ein besonders absurdes Beispiel lieferte die Medienfachzeitschrift W&V Werben & Verkaufen, die in ihrer Ausgabe Nr. 5/2007 eine Klimaschutzkampagne als den 'Feldzug ... gegen einen der größten Feinde der Menschheit: Kohlendioxid' lobte.
Ohne CO2 gibt es kein Leben auf der Erde!
Hat da jemand seinen Biologieunterricht vergessen? Ohne CO2 gibt es kein Leben auf der Erde! Photoautotrophe Organismen, wie Landpflanzen und Algen treiben mit ihrem Photosynthese-Stoffwechsel (direkt und indirekt) nahezu alle bestehenden Ökosysteme an.
Aus anorganischem CO2 und Wasser entsteht dabei - mit Hilfe von Licht (über das in den Pflanzen vorhandene Chlorophyll) - Traubenzucker und Sauerstoff.
Nun kann man sich die Frage stellen: Wie viel von dem Lebenselixier, dass derzeit als Supergift durch die Medien geht, ist die richtige Menge? Oder anders: Wann gibt es zu viel und wann zu wenig CO2 und können wir das beeinflussen?
Der durch den Menschen bedingte (anthropogene) Treibhauseffekt wird auf max. 1,5 Prozent geschätzt, wovon CO2 höchstens 65 Prozent ausmacht. Wissenschaftler gehen davon aus, dass lediglich etwa 1,2 Prozent der Emission von Kohlendioxid durch menschliches Handeln bedingt ist, der Rest ist natürlichen Ursprungs.
Auch gehen die Meinungen auseinander, welche Temperatur die richtige ist. Während des sog. Mittelalterlichen Klimaoptimums zwischen 800 und 1300 besiedelten die Wikinger Grönland. Die anschließende Kleine Eiszeit reichte bis ins 19. Jahrhundert. Nun wird es wieder wärmer.
Das findet übrigens der Bayerische Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf offenbar gar nicht so schlecht. Denn durch die Klimaerwärmung bestehen immer mehr bayerische Weine die Prädikatsweinprüfung.
Fazit: Keiner weiß, wozu die teilweise so emotional geführte und von unterschiedlichen Interessengruppen missbrauchte Klimadiskussion eines Tages gut sein wird. Ein Grund dafür, dass Umweltschutz heute mit Klimaschutz gleichgesetzt wird, ist vielleicht die Tatsache, dass schon viele andere Umweltprobleme gelöst sind, gab Dr. Uwe Franke, Vorstandsvorsitzender
Deutsche BP AG, auf dem Neu-Ulmer Energietag zu bedenken. Eigentlich ein gutes Zeichen.
Eines steht fest: Die Suche nach neuen Erkenntnissen ist immer wichtig. Die Ergebnisse können aber auch falsch sein. Nur weil viele einer Meinung sind, ist diese nicht a priori richtig. Sonst wäre die Erde noch heute eine Scheibe. Dass der sparsame Umgang mit dem, was man hat, also auch der Umwelt, ein grundlegendes Lebensprinzip sein sollte, ist allein vom kaufmännischen Grundsatz her unbestritten. Wenn die Diskussion das fördert, ist sie allemal sinnvoll.
Beitrag zur Verfügung gestellt von Hanna Thiele, 26. März 2007
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