Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen, 2001 - Peter Rauch PhD -
6.8. Wichtige Ursachen
Schimmelpilze benötigen bestimmte Lebensbedingungen (vgl. Pkt.6.2.2.). Diese werden durch nachfolgende Kriterien begünstigt
- Wärmebrücken zum Beispiel Fensterlaibung, von der Fassadendämmung (WVS) wurden die Beton- oder Steinfensterbänke nicht ausgebaut, Ringbalken, Kanalschächte an der Außenwand usw.
- Unzweckmäßige Baumaterialien, zum Beispiel wird sehr gern Gipsspachtel auf feuchte belastetes Mauerwerk, wie in Treppeneingangsbereich, Keller, ältere EG-Wohnung, aufgetragen, damit die Wandoberfläche plan wird. Dazugehört auch Raufasertapete mit Zellulosekleber.
- Ungünstige raumklimatische Veränderung nach Sanierungen, zum Beispiel nicht Beseitigung aller kühlen Oberflächen oder Verlagerung der kühlen Oberfläche an andere unzweckmäßige Bauteile, Verringerung der sorptionsoffenen Flächen in Bädern bis an die Decke gefliest u.a.
- Feuchte belastetes Mauerwerk, zum Beispiel ältere Gebäude wo aufsteigende Feuchtigkeit und vor allem salzbelastetes Mauerwerk vorliegt.
- Nutzungsverhalten, zum Beispiel ungenügende Lüftung,
- Ungeeignete Nutzungsbestimmung, zum Beispiel im Keller eines sehr alten sanierten Gebäudes wurde das Bad für die Wasserbehandlung der Physiotherapie eingebaut, die Lüftung ist nur über ein völlig verbautes Kellerfenster möglich, alle Einrichtungsgegenstände waren verschimmelt.
- Ungeeignete Planungskonzeptionen, zum Beispiel ein ca. 4m² zentralgelegener Raum mit Fenster wurde als Abstellraum ohne Heizung projektiert, das genutzte Zimmer wird so nur über die Korridorluft erwärmt, (kalte ungedämmte Außenwand) oder die ausgewiesenen Schlafzimmer sind wegen der geringen Deckenhöhe (Dachgeschoß) in ihrem Volumen viel zu klein.
Ohne Ursachenbeseitigung ist langfristig keine Schadensbehebung möglich!
- Welche Änderungen haben sich ergeben? (Neue Fenster, andere Tapete bzw. Farbanstrich, andere Heizung o.a.)
- Überprüfung der Lüftungsgewohnheiten, durch eine Querlüftung (3-4 mal täglich) erzielt man schnell einen Luftwechsel;
- Kontrolle der Raumlufttemperatur und Oberflächentemperatur (Eckbereiche oder über Fußboden), die Differenz innerhalb einer Wohnung sollte 3-4 K nicht überschreiten;
- Erhöhtes Feuchtigkeitsaufkommen beim Backen, Braten, Kochen, Duschen, Baden sofort direkt ins Freie ableiten. Keine Verteilung der Feuchtigkeit in der Wohnung durch geöffnete Türen zu lassen. Die erhöhte Feuchtebelastung sollte möglichst 2 Std. nicht überschreiten.
- Einsatz technischer Hilfsmittel (Entlüftungseinrichtung)
- Messung der Feuchtigkeit mit einem Hygrometer, 55% relative Luftfeuchtigkeit sollten in der kühleren Jahreszeit als Obergrenze eingehalten werden. Besser etwas unter 50%.
- Einrichtungsgegenstände an Außenwänden sind nicht luftstrombehindernd anzuordnen (mind. 5 cm Abstand zur Wand). Raumecken sind möglichst frei zu halten, damit die Wandfläche ausreichend temperiert wird.
- Verwendung diffusionsoffener Baustoffe, Vermeidung von Dampfbremsen und atmungsdichter Stoffe, Folien, Tapeten oder Farben.
- Austrocknung feuchter Bauteile vor jeder Sanierung!
- Nachträgliche, zusätzliche Dämmmaßnahmen immer so anordnen, dass die Dämmschicht möglichst weit außen liegt, also dort, wo der Wärmeverlust am größten ist.
Ergänzung: Berechnungstool für die Abschätzen einer Schimmelpilzgefährdung.
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