Ratgeber für den Bauherrn
Ingenieurbüro Peter Rauch
Kapitel:  Bauphysik | Feuchteschutz | Holzbau | Konstruktion | Bauchemie | Baustoffe | Baubiologie | Wohnklima
Der Echte Hausschwamm (Serpula lacrimans) - seine Lebensgrundlage und andere holzzerstörende Pilze - Peter Rauch PhD -

2. Die Wachstumsfaktoren vom Hausschwamm
2.1. Die Rolle der Feuchtigkeit

Die in Gebäuden vorkommenden Hausfäulepilze werden in zwei Gruppen nach ihrem Feuchteanspruch unterteilt.

  1. Gruppe nur vom Echten Hausschwamm vertreten (15-30%)
  2. Gruppe der Naßfäulepilze (30-80%)
  3. Niedere Pilze ( ab 80%)

Der Echte Hausschwamm benötigt nur zu Beginn seines Wachstums eine höhere Holzfeuchtigkeit von ca. 30% bis 40%. Als Minimum wird 17 bis 20% und als Maximum 90% angegeben. (Mombächer et. 1988) Zum Vergleich bevorzugt der Kellerschwamm (Coniophora puteana) eine Holzfeuchtigkeit von 45 bis ca. 70% und der Weiße Porenschwamm (Poria vaporaria) 30 bis 50%. Eine hohe Holzfeuchtigkeit benötigt der Ausgebreitete Hausporling (Donkioporia expansa) ein Weißfäulepilz. Seine Schäden können einen beträchtlichen Umfang annehmen. Der oft auch gleichzeitig an den etwas trockneren Randbereichen vorkommende Echte Hausschwamm ist im Verhältnis unbedeutend. Allerdings richtet der Echte Hausschwamm über längere Zeit den größeren Bauschaden an, da er das trocknere Holz schädigt. Donkioporia expansa braucht grundsätzlich feuchtes Holz und das Pilzmycel wächst nicht in das trockne Holz.

Je nach Feuchtigkeitsgrad wachsen bestimmte holzzerstörende Pilze. Dabei können sich andere nicht beziehungsweise nur sehr gering ausbreiten. Dieser Fakt ist zu beachten, wenn zum Beispiel Wasserleitungsschäden oder andere starke Durchfeuchtungen vorliegen. Bei einer kurzzeitigen starken Durchfeuchtung kommt es eher zum Wachstum von Naßfäulepilze, wie den Muschelkrempling (Tapinella panuoides) oder einer der anderen oben genannten Naßfäulepilze. Es ist hier eine schnelle und zügige Trocknung aller Holz- und anderer berührenden Bauteile vorzunehmen. (zum Beispiel In der Holzbalkendecke das Holz, die Schüttung und das angrenzende Mauerwerk.) Damit kann sich das Myzel des Echten Hausschwamms nicht beziehungsweise nur ungenügend entwickeln, da die optimale Feuchte für sein Wachstum nur kurzzeitig vorliegt. Junges Myzel stirbt nach einer bestimmten Zeit nach der Trocknung ab. Die Phase der Trockenstarre hängt von der Größe, der anderen Umgebungseinflüssen und sicherlich auch vom Stamm selbst ab.

Feuchte Räume mit wasserdampfgesättigter Luft sind für das Pilzwachstum besonders förderlich. Sinkt die Luftfeuchtigkeit unter 95%, so lässt die Zerstörungstätigkeit der Hausfäulepilze erheblich nach. Die Luftfeuchtigkeit steht im Zusammenhang mit der Substratfeuchte.

Alle Pilze erzeugen bei ihrem Stoffwechselprozeß Wasser. Beim Abbau der Zellulose werden Wasser und Kohlendioxid frei. Sie schaffen sich so einen Teil der benötigten Feuchtigkeit selbst "Atemwasser". Man bezeichnet diesen Typ der Fäule als Trockenfäule. Bei einer guten Lüftung kann dieses Wasser abgeführt werden. Der Echte Hausschwamm hat sich besonders spezialisiert und kann so auch unter der Fasersättigung (bei zirka 30% Holzfeuchtigkeit) wachsen.

Trockenfäule an einer HolzdielungBild: Hier eine "Trockenfäule" der Dielung an einer Innenwand. Wasserleitungen oder ähnliches sind nicht in der Nähe. An diesem Standort befand sich früher ein Berliner Ofen.

In mehreren Fällen betrug über längere Zeit die Holzfeuchtigkeit 12 bis 13 %. Ab einer bestimmten Größe kann sich das Myzel auch auf trockenem Holz oder andere zellulosehaltige Stoffe ausbreiten. Hier wird das notwendige Wasser über das Strangmycel transportiert.
Das Strangmycel wächst nicht kreuz und quer durch das Gebäude. Also auch nicht von einer Etage zur anderen. Der Pilz bleibt grundsätzlich in der Nähe des befallenen Holzes, was zu Beginn des Befalls ausreichend feucht war. Beim Wachstum breitet sich das Mycel auf der Holzoberfläche aus, meist in die Richtung, wo eine höhere Holzfeuchtigkeit vorliegt. zum Beispiel bei einem Wasserschaden läuft Wasser in die Holzbalkendecke. Diese liegt in der Regel nicht exakt Horizontal. Das Wasser läuft in eine Richtung. Dieser Bereich wird zu erst befallen. Wird das darunter liegende Mauerwerk ebenfalls durchfeuchtet und bleibt dieses auch lange nass, so wächst hier das Myzel zwischen Mauerstein und Putz und gewinnt so das erforderliche Wasser. Vorwiegend sind die Mörtelfugen durchwachsen.
Längere Stränge konnte ich nur in den unteren Eckbereichen der Fußboden- und Wandanschlüsse feststellen. Das sind auch typische Stellen, wo die Feuchtigkeit im Raum am größten ist. Da das Holz an einem Ende befallen wird, ist es zwangsläufig irgendwann auch am anderen Ende geschädigt, zum Beispiel die Bundwandstiele, Fachwerkhölzer, Deckenbalken und anderes. Ab einer bestimmten Größe kann das Mycel auch Bauwerksteile oder Erdschichten durchwachsen ohne in diesem Bereich eine Nahrungsquelle vorzufinden. Geht jedoch die abgebaute Nahrungsquelle (Holz oder ähnliches) zu neige, so kann kein neues Zellmaterial aufgebaut werden. Sind zum Beispiel zwei Etagen befallen, so handelt es sich meist um zwei einzelne Befallsbereiche. Ein Bewuchs von einer Etage zur anderen ist über mehre Jahre möglich, was im bewohnten Zustand kaum möglich ist, da vorher die Türzargen oder die Wandverkleidung aus Holz abfallen oder die Bundwand solche Risse bekommen hat, dass bereits Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Beispiele für gefährdete Bereiche, wo durch ungenügende Lüftung die Luftfeuchtigkeit sehr hoch sein kann:

  • Speiseschränke,
  • nicht genutzte AWC,
  • Kellerräume,
  • Zimmerecken hinter Schränken und kalter Außenwand,
  • Fehlböden bei Holzbalkendecken an beanspruchte Außenwände mit Schlagregen
  • wo die Dielen und Fußbodenleisten verschlossen sind unda.m.
  • Salzbelastetes Mauerwerk zum Beispiel am Drempelmauerwerk (Das Salz ist hygroskopisch und liefert so genügend Feuchtigkeit
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Inhalt
A. Biologie der holzzerst.
    Pilze und Insekten
B. Serpula lacrimans
    (Echter Hausschwamm)
1. Schadensbild
2. Wachstumsfaktoren
2.1. Feuchtigkeit
2.2. Temperatur
2.3. Einfluss Licht/Luft
2.4. Funktion des Mycels
2.5. Mycel-/Hyphenmerkmale
2.6. Cytologische Prozesse
2.7. Sporen
2.8. Umwelteinflüsse
3. Gesundheitl.Gefährdung
4. Hausschwammarten
5. Bestimmungsmethoden
5.1. Allgemein
5.2. Makroskopische
5.3. Mikroskopische
6. Sanierungsmaßnahmen
7. Schadensbereiche
8. Sanierung Eigenleistung
- Literaturübersicht
- Statistik Schadensfälle
- Meldepflicht

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